Willkommen
CORVETTE - C4
Geschichte
Wir waren mittlerweile in den 80ern angekommen, die C3 war nach 15
Modelljahren (die Plattform hatte noch mehr auf dem Buckel) am Ende
angekommen. Es war Zeit für eine neue Corvette! Die Entwicklung der
neuen Corvette war etwas holprig, wodurch Sie erst zum Modelljahr 84 auf
dem Markt kam. Das 83er Modelljahr hatte man somit quasi übersprungen.
Bis auf ein paar Prototypen mit 83er VIN, gab es offiziell keine
Corvette für besagtes Modelljahr. Ein Unikum in der Corvette Historie!

Die C4 markierte außerdem einen ziemlichen Bruch mit den Vorgängern.
Dies lag unter anderem auch daran das Zora Arkus Duntov, der Vater der
Corvette, seit 1975 nicht mehr mit an Bord war. Sein Nachfolger war Dave
McLellan, welcher auch zu einem großen Teil für das Design
verantwortlich war. Ebenso nicht mehr an Bord, war GMs Stardesigner Bill
Mitchell der 1977 in den mehr als verdienten Ruhestand ging. Auf Ihn
folgte Jerry Palmer, der ebenso wie McLellan, maßgeblich am Design der
C4 beteiligt war. Die C4 sollte GMs erstes Serienfahrzeug werden, dessen
Form exzessiv im Windtunnel entwickelt wurde und damit auch
maßgeblichen Einfluss auf das Enddesign hatte. Mit dem neuen Team, hielt
auch ein neues Mantra in der Corvette Entwicklung Einzug:
Form follows function!
Das Design der Corvette sollte also nicht nur hübsch aussehen,
sondern auch in jeder Hinsicht funktionaler sein bzw. besser
funktionieren als die Vorgängerinnen. Auch wenn die Corvette optisch
eine neue Ära im Corvette Design einläuten sollte, so sollten einige
typische Designmerkmale wie das "lange Front, kurzes Heck" Design, sowie
die geschwungenen vorderen Kotflügel zumindest im Ansatz erhalten
bleiben. Die Türen kamen mehr aus der Karosserie heraus, wodurch unter
anderem mehr Platz im Innenraum entstand und die Karosserielinie weicher
wurde. Die Corvette verlor über 22cm in der Länge, dass meiste davon am
Heck. Dadurch wurde der lange Haube, kurzes Heck-Effekt verstärkt.

McLellan und sein Team schafften das Kunstwerk das neue Corvette
Design in weniger als zwei Jahren zu entwickeln. Ganz im Stil der 80er,
wurde das Design der Corvette sachlicher und weniger frivol als vorher.
Die ganze Arbeit im Windkanal hatte unter anderem den Sinn und Zweck den
Luftwiderstand deutlich zu reduzieren was sich nicht nur positiv auf
die Performance, sondern vor allem auch auf den Verbrauch auswirkt. Form
follows function! Heraus kam eine glatte, deutlich weniger verspielte und modernere Form
als noch bei der C3. Im Jahr 1983, also zum Modelljahr 1984, war es dann
endlich soweit und die serienreife C4 wurde vorgestellt. Man hatte zwar
durch die Verzögerungen in der Entwicklung verpasst ein echtes 83er
Modelljahr auf die Beine zu stellen, und damit den 30. Geburtstag der
Corvette zu feiern, dies hielt die Öffentlichkeit aber nicht davon ab
die neue Corvette trotzdem zu feiern. Die Öffentlichkeit war begeistert
von der neuen Vette!
Um den Zukunftsanspruch des neuen Modells zu verdeutlichen, bekam die
Corvette ein komplett neues Chassis spendiert. Der Leiterrahmen,
welchen man in der C3 ja mit wenigen Änderungen von der Vorgängerin
übernommen hatte, flog endgültig raus. Stattdessen entwickelte man eine
Art selbsttragenden Gitterrohrrahmen an dem die Karosseriepanele aus GFK
befestigt wurden. Neudeutsch würde man sowas wohl Spaceframe nennen,
nur das hier der Rahmen aus Stahl und nicht Aluminium bestand. In diesen
Rahmen wurden dann Teile der Karosserie wie Winschutzscheibenrahmen,
Schweller, Türrahmen, hintere Cockpitwand und mehr integriert. Dies
hatte zwar den Vorteil das die Karosserie dadurch steifer wurde, hatte
allerdings den Nachteil das der Einstieg durch die integrierten
Schweller dann doch sehr beschwerlich wurde. Einen Kompromiss den man in
der Entwicklung einging um auf die Verstrebung für das Targadach
verzichten zu können. Wirklich glücklich war bei GM niemand mit diesem
Kompromiss. Bei der C3 löste man das Ganze noch in Form von T-Tops, also
zwei Dachhälften mit einer Längsstrebe im Dach welche die
Verwindungssteifigkeit der Karosserie erhalten sollte. Dies war bei der
C4 durch diesen Designkniff nicht mehr nötig und so gab es ein
vollwertiges, durchgängiges Targadach in Serie.

Auch am Fahrwerk hatte sich viel getan! Die Querblattfeder aus GFK
hatte die C3 ja schon eingeführt, für die C4 setzte man diese auch an
der Front ein. Dies geschah vor allem aus Gewichtsgründen. Eine
GFK-Blattfeder wiegt deutlich weniger als zwei herkömmliche Stahlfedern.
Zusätzlich konnten die Blattfedern deutlich tiefer montiert werden, da
diese an den unteren Querlenkern montiert waren und somit auch den
Schwerpunkt absenkten. Je tiefer der Schwerpunkt, desto besser für das
Handling! Die alte 3-Lenker Hinterachse, welche Zora Arkus Duntov selbst
entwickelt hatte, wurde zu Gunsten einer 5-Lenker Achse ersetzt welche
das Handling noch einmal spürbar verbessern sollte. Die 3-Lenker Achse
mag zu Ihrer Zeit schon fast sowas wie revolutionär gewesen sein, Anfang
der 80er war Sie einfach nur antiquiert.
Interessant insofern das zu dieser Zeit, außer Mercedes, niemand sich
den Aufwand gemacht hatte solch eine Achse in ein Serienfahrzeug
einzubauen. Die Idee hatte Mercedes in den 70ern im C111 Prototypen
erprobt und dann im W201, dem "Baby Benz", in Serie gebracht. Chevrolet
dagegen sah in dem Prinzip eine Möglichkeit dem Handling der Corvette
auf die Sprünge zu helfen, was auch wunderbar funktioniert hat. Durch
die neue Hinterachse gewann die Corvette mehr Fahrstabilität und
rekordverdächtige Kurvengeschwindigkeiten waren dadurch ebenso möglich.
Einige Testzeitschriften schafften mit den ersten Corvette Modellen gut
0,91G auf dem "Skidpad" was für damalige Verhältnisse abnormal viel war.
Merke, die 0,91G stellen nicht die maximal mögliche Querbeschleunigung
dar sondern nur die auf dem engen Testkurs. Die Amerikaner messen das
immer ein bisschen anders wie die deutschen Fachzeitschriften. Das Handling der C4 galt bei Ihrer Einführung als Weltklasse und zeigte
eindrucksvoll wohin GM mit der Corvette zukünftig gehen wollte!

Das die C4 deutlich handlingorientierter werden sollte, zeigte auch
die Einführung des Z51 Pakets. Mit dem Z51 Paket bekamen Käufer ein
Heavy Duty- Fahrwerk incl. stärkerer Stabilisatoren und angepassten
Fahrwerksgummis, eine Lenkung mit direkterer Übersetzung, einen
Motorölkühler und auch einen extra Kühlerlüfter. Als i-Tüpfelchen bekam
man sogar noch einen netten Satz 16 Zoll Alufelgen im Turbinendesign mit
Goodyear Reifen obendrauf, welche Goodyear direkt aus seinen Indycar-,
sowie Formel 1 Programmen abgeleitet hatte. Ein Highlight waren die LCD
Instrumente, welche dem Zukunftsanspruch Rechnung trugen und welche von
vielen C4 Fans bis heute noch für die coole Optik gefeiert werden.
Weitere Highlights waren mehrfach verstellbare, elektrische Sitze sowie
ein Premium Soundsystem, ein Trend dem viele Hersteller im Laufe der
Jahrzehnte folgen sollten. Motorenseitig übernahm man für das erste
Modelljahr den L83 Small Block mit Crossfire Injection. Mit 205 PS nicht
gerade das was man unter einem Supersportwagen verstand, aber besser
als nichts. Gekoppelt war das Ganze entweder an GMs TH700R4 Automatik
oder an ein Doug Nash 4+3 Handschaltgetriebe.
Schon ein Jahr später führte GM den L98 Small Block mit einer Tuned
Port Injection ein. Die Tuned Port Injection ist der große Bruder der
TBI. Hier sitzen die Düsen allerdings nicht über der Drosselklappe,
sondern jeder Zylinder hat eine eigene Düse die Ihn mit Kraftstoff
versorgt. Dies ist bis heute in so gut wie jedem Auto dieses Planeten
Standard. Technisch gesehen also eine Multi Port Einspritzung mit dem
Unterschied das die Düsen sowie die Ansaugbrücke eine spezielles Layout
(deswegen auch "tuned port") haben welches für mehr Durchzug aus dem
Keller sorgen soll. Ein positiver Nebeneffekt des Ganzen war die
gesteigerte Effizienz. Die TPI-Einspritzung gab Ihr Debüt in der C4 und
wurde später auch im 3rd Gen Camaro verwendet. Die TPI wurde besonders
gerne für die stärkeren Motoren verwendet. Die Leistung des Motors wuchs
über die Jahre immer wieder mild um ein paar PS an. Im gleichen
Modelljahr wurde auch die Fahrwerkshärte um 25% reduziert, da sich die
Kundschaft über die bockharte Abstimmung beschwert hatten die sich zwar
sehr sportlich anfühlte, allerdings auf normalen Straßen kaum
auszuhalten war. Hier schossen die Ingenieure bei der Abstimmung etwas
über das Ziel hinaus.

1986 markierte dann die Rückkehr des Cabrios! 11 Jahre lang musste
die Corvette Palette ohne eine eigene "oben ohne" Version für
Frischluftfans auskommen. Das neue Cabrio musste dann auch gleich als
Basis für ein Sondermodell herhalten, da die Corvette mal wieder das
Indy 500 anführen durfte. Für diesen Zweck baute Chevrolet eine
quietschgelbe C4 mit einem "Official Pace Car" Schriftzug an den Türen.
Alle anderen Cabrios aus dem Modelljahr bekamen deshalb zur Erinnerung
eine "Indy 500 Pace Car" Plakette auf der Mittelkonsole. Weitere
Neuerungen für das Modelljahr waren ABS in Serie, Klimaautomatik und ein
drittes Bremslicht. Ebenso neu war das Pass Key I Diebstahlschutzsystem
welches dafür sorgen sollte das man das Fahrzeug nur mit dem Original
codierten Schlüssel starten kann.
1987 bekam der L98 Motor hydraulische Roller Lifter wodurch die
Leistung um gut 10 PS stieg. Auf Basis des L98 bot Callaway ab 1987 auch
seine Twin Turbo Umbauten an. Unter dem Option Code B2K, konnte man ab
1987 die ersten Callaway Versionen bestellen, incl. voller Werksgarantie
durch GM! Die Leistung stieg durch den Umbau auf 345 PS, was die
Corvette zu einem der schnellsten Serienautos seiner Zeit machte. Die
Autos wurden nach Bestellung direkt von Bowling Green zu Callaway Cars
in Old Lyme, Conneticut geliefert, wo dann der Twin-Turbo Umbau
erfolgte. Die Callaway Corvette wurde ausschließlich über ausgewählte GM
Autohäuser vertrieben.

1988 gab es mal wieder einen Grund zu feiern, die Corvette hatte
Geburtstag! Da man, aus Ermangelung eines Autos, für das 83er Modelljahr
kein 30th Anniversary Modell auf den Markt bringen konnte, feierte man
mit der C4 den 35. Geburtstag. Diese kam in einem komplett weißen Kleid,
mit weißem Innenraum und weißen Felgen. Deshalb werden diese Autos auch
gerne Triple-White Corvettes genannt. Insgesamt liefen knapp über 2000
Stück vom Band, wovon keine 200 mit Schaltgetriebe bestellt wurden. 88
gab es auch wieder ein paar Anpassungen am Fahrwerk und ein neues
Felgendesign. Es war ebenso das letzte Modelljahr für das Doug-Nash 4+3
Schaltgetriebe.
Die Krönung des 88er Modelljahres, stellt sicherlich der Callaway
Sledgehammer dar. Der Vorschlaghammer, welche durch Aufladung satte 892
PS leistete, durchbrach 1988 mit John Lingenfelter am Steuer die 400
km/h Marke. Ein Rekord der erst nach der Jahrtausendwende durch den SSC
Aero TT gebrochen werden sollte. Der Knüller an dem rollenden
Vorschlaghammer war aber gar nicht einmal die Leistung, sondern das der
komplette Umbau eine ganz normale Straßenzulassung hatte und auch die
Abgasvorschriften einhielt!
Technisch reichte es natürlich nicht einfach nur zwei Lader an den
Small Block zu schrauben. Der Motor bekam einen geschmiedeten
Kurbeltrieb von Cosworth, dazu eine Trockensumpfschmierung, eine
vollelektronische MSD-Zündung, ein neues Motormamagementsystem von Zytek
und natürlich die zwei dicken Turbonetics-Turbolader welche durch zwei
Ladeluftkühler flankiert wurden. Diese Corvette erhielt im Laufe der
Jahre immer mal wieder ein paar Verbesserungen. Das originale Doug-Nash
Getriebe wurde 1989 durch das ZF Getriebe ersetzt und das elektronisch
verstellbare FX3 Bilstein Fahrwerk hielt ebenso Einzug. Beides Optionen
welche auch in der regulären Corvette verfügbar waren.

1989 wurde dieses durch ein ZF 6-Gang Handschaltgetriebe ersetzt und
das elektronisch verstellbare Bilstein Fahrwerk (FX3) wurde eingeführt.
Ansonsten gab es für 89 keine Veränderungen am Basismodell. Diese kamen
erst mit Anbruch der 90er Jahre. Chevrolet wollte mit der Corvette den
nächsten Schritt gehen. Da GM 1986 Lotus gekauft hatte, bediente man
sich dem Know-How der britischen Traditionsschmiede. Der Auftrag lautete
einen neuen Motor für ein Corvette Topmodell zu entwickeln, damit die
Corvette etwas mehr zu bieten hat als die 245 PS des L98 Motors.
Herzstück des Topmodells war ein 5,7 Liter DOHC V8, entwickelt von Lotus
im Auftrag von General Motors und gebaut bei Mercury Marine. Die
Motoren wurden deshalb extern gebaut, da Mercury Marine zum einen schon
viel Erfahrung mit Vollaluminium Triebwerken im Wassersportbereich
hatte, zum anderen hatte GM damals nicht die Kapazitäten für ein solches
Triebwerk. Die Grunddaten lesen sich vielleicht so als ob man an einen
Small Block einfach nur DOHC Köpfe montiert hat, dem war aber nicht so.
Mit dem Small Block hat das LT5 getaufte Aggregat lediglich den Hubraum
und die Bohrung gemein. Ansonsten ist der Motor komplett neu. Mit dem
Motor hielten zum ersten- und vorerst letzten Mal obenliegende
Nockenwellen Einzug in die Corvette. Der Motor leistete Anfangs 375 PS
und brachte es am Ende des Modellzyklus auf 405 PS. Aber man machte bei
der Leistung nicht halt, auch Fahrwerk, Bremsen und Karosserie bekamen
Modifikationen. Alleine die Karosserie wurde um mehrere CM verbreitert
um mehr Platz für die breiteren Reifen zu schaffen. Das FX3 Fahrwerk war
bei der ZR1 natürlich serienmäßig!
Der Lohn der Mühen:
Ein Auto das nicht nur von der Fachpresse für seine Power und sein
Handling gelobt wurde, sondern auch diverse Rekorde. Darunter folgende:

100 Meilen (160 km) mit einem Schnitt von 175.600 mph (282.601 km/h)
500 Meilen (800 km) mit einem Schnitt von 175.503 mph (282.445 km/h)
1,000 Meilen (1,600 km) mit einem Schnitt von 174.428 mph (280.715 km/h)
5,000 km (3,100 mi) mit einem Schnitt von 175.710 mph (282.778 km/h) (Weltrekord)
5,000 Meilen (8,000 km) mit einem Schnitt von 173.791 mph (279.690 km/h) (Weltrekord)
12 Stunden Langstrecke mit einem Schnitt von 175.523 mph (282.477 km/h)
24 Stunden Langstrecke mit einem Schnitt von 175.885 mph (283.059 km/h) über 4,221.256 Meilen (6,793.453 km) (Weltrekord)
Damit hatte die Corvette ZR1 nicht nur Ihre Performance unter Beweis
gestellt, sondern auch Ihre Haltbarkeit. Und in der Tat, der Motor hat
sich bewährt und gilt heute als robust. Auch wenn Spezialteile
mittlerweile schwer zu bekommen sind und sich auch nicht jeder mit den
Eigenheiten des LT5 auskennt. Optisch änderte sich dagegen kaum etwas.
Die Rückleuchten waren jetzt eckig und nicht mehr rund, lediglich ein
kleines ZR1 Logo am Heck wies auf die Performance hin.
1990 gab es für alle Modelle noch einen renovierten Innenraum und
neue Felgen. 1991 gab es ein kleines Facelift. Die eckigen Rückleuchten
der ZR1 hielten jetzt auch in den normalen Versionen Einzug. Dadurch
wurde die ZR1 zwar optisch noch weniger außergewöhnlich, dafür legte GM
eine Traktionskontrolle obendrauf.

1992 kamen dann auch die Basisversionen in den Genuss von mehr
Leistung. GM entwickelte nach fast 40 Jahren Bauzeit den Small Block
weiter! Die Corvette sollte das erste Auto sein welches den komplett neu
entwickelten Gen II Small Block bekommen sollte. Der LT1 Small Block
leistete 305 PS und brachte das Basismodell auf ein ganz neues
Leistungsniveau. Technisch blieb das Grundprinzip aus 8 Zylindern in
V-Form und einer zentralen Nockenwelle zwar erhalten, allerdings drehte
man sonst alles andere auf links. Der LT1 hatte in der Corvette
Aluminium Zylinderköpfe und ein völlig neues Kühlsystem. Dieses
durchfließt die Zylinderköpfe zuerst und nicht den Block wie bei
damaligen Motoren. GM nannte das ganze Reverse Flow Kühlung. Eine
weitere Neuerung war der berüchtigte Optispark Zündverteiler. Er ersetze
die klassischen elektromechanischen Verteiler hinter dem Luftfilter.
Der Optispark hat eine Art optisches Abtastsystem, welches die
Kurbelwellenposition sehr präzise auslesen konnte was natürlich die
Präzision der Zündung deutlich erhöht und neue Möglichkeiten eröffnet
was das Thema Zündungskontrolle angeht. Das Ganze hatte leider nur eine
Schwachstelle. Dadurch das der Verteiler jetzt an der Kurbelwelle saß,
saß dieser direkt unter der Wasserpumpe. Da Wasserpumpen gerne mal
undicht werden und sich Feuchtigkeit selten mit Elektronik verträgt kam
es hier zu Ausfällen, welche dem Optispark Verteiler einen schlechten
Ruf einbrachten. Besonders die 92er Motoren waren von dem Problem
betroffen, da diese noch keine Entlüftungsöffnungen hatte. Die ersten
Verteiler litten unter Schwitzwasser welches nicht mehr aus dem
Verteiler herauskam. Ab 93 änderte GM das Design und zumindest das
Problem war gelöst solange man auf die Wasserpumpe geachtet hat.
Im Jahr 1992 gab es neben einer komplett neuen Small Block
Generation, aber auch einen Meilenstein zu feiern. Die millionste
Corvette lief vom Band! Das besagte Auto war ein weißes Cabrio mit rotem Interieur, welches am
2. July 1992 vom Band lief. Die Farbgebung war bei weitem kein Zufall,
sollte die Farbe an die 53er Modelljahre erinnern die damals ebenfalls
nur in weiß mit rotem Interieur vom Band liefen. Diese Corvette bekam
sogar ein Geburtszertifikat, welches ich euch nicht vorenthalten will. Leider ist diese Corvette beim Einsturz des Corvette Museums 2014 mit
in das berühmte Erdloch gestürzt ist. Chevrolet hat das Auto, obwohl es
als Totalschaden abgeschrieben wurde, liebevoll und aufwändig
restauriert. Dabei wollte man so viele Originalteile wie möglich
erhalten um den historischen Wert des Fahrzeugs zu erhalten. Bis auf
wenige Teile (Haube, Teile der vorderen Kotflügel und die Frontscheibe
mit dem 1.000.000 Schriftzug) hat man alle beschädigten Originalteile
wieder repariert/restauriert. 19 Monate hat die originalgetreue
Restauration gedauert, aber dafür erstrahlte dieses besondere Exemplar
wieder in neuem Glanz.

1993 bekam die Corvette kleinere Anpassungen. Der LT1 Motor bekam
etwas mehr Drehmoment und die ZR1 bekam ein Leistungsupgrade auf 405 PS.
Dafür packte man den Ventiltrieb, das Auspuffsystem und die Köpfe
selbst noch einmal an. Ebenso gab es ab jetzt ein passives Keyless Entry
System sowie ein Abgasrückführungssystem. 93 legte GM eine weitere
Anniversary Edition auf den Markt, dieses Mal für den 40. Geburtstag der
Corvette. Diese Corvette wurde ausschließlich in Ruby Red mit der
gleichen Innenraumfarbe geliefert. Dazu gab es Center Caps in der
gleichen Farbe, spezielle Stickereien im Innenraum und ein 40th
Anniversary Emblem an den Seiten. Das 40th Anniversary Paket war auf
allen C4 Modellen verfügbar, also auch auf der ZR1.
1994 war dann relativ unspektakulär, der LT1 bekam eine aktualisierte
Einspritzung mit einem Luftmassenmesser und die Corvette bekam
standardmäßig einen Beifahrerairbag. So unspektakulär ging es dann auch
1995 weiter, es gab ein paar wenige Retuschen am Blech- pardon-
Kunststoffkleid und einen überarbeiteten Optispark Verteiler. Highlight
ist die Pace Car Edition, welche Chevrolet auflegte weil die Corvette
das Indy 500 wieder als Pace Car anführte. Diese waren zweifarbig
ausgeführt, mit einem weißen Unterteil und einem weinroten Oberteil.
Dazu gab es ein paar Decals an der Seite die dem typischen Stil der 90er
entsprachen, also eher verspielt als zurückhaltend. Zusätzlich gab es
an der Front noch einen dicken roten Zierstreifen. Insgesamt 527
Exemplare entstanden von dieser Sonderedition. 1995 markierte auch das
letzte Modelljahr für die Corvette ZR1. Damit war nach gut 5 Jahren auch
schon wieder Schluss. Die nächste Corvette mit einem DOHC Motor wird
die neue C8 Z06 werden und damit das Erbe der ersten ZR1 nach über 25
Jahren antreten.

Für das 1996er Modelljahr, das letzte Modelljahr für die C4, gab es
dann doch noch ein paar Änderungen. LT1 und LT5 wurden durch einen neuen
Motor namens LT4 ergänzt, er leistete 330 PS und ergänzte das
Motorenprogramm somit in der Mitte. Der LT4 dürfte einer der seltensten
Small Blocks sein, wurde der Motor doch nur in der C4 eingebaut und nur
für ein Jahr da ein Jahr später, mit Einführung der C5, schon der
legendäre LS1 Motor auf den Markt kam. Eine weitere Neuerung war ein
aktives Echtzeitfahrwerk, welches aktiv die Fahrbahn nach Unebenheiten
scannt. 1996 war auch das Jahr in dem alle Fahrzeuge für den US-Markt
ein OBD II System haben mussten. Und weil das für die Jungs vom Corvette
Team scheinbar noch nicht genug war, gab es noch als Sahnehäubchen ein
neues Sondermodell in Form der Grand Sport. Die Grand Sport stellte eine
Verbeugung vor dem 63er Original dar. Dieses Modell war auf 1000 Stück
limitiert, wovon 810 Coupes und 190 Cabrios entstanden. Die Grand Sport
wurde ausschließlich mit dem LT4 Motor ausgeliefert. Einzige verfügbare
Lackierung war Admiral Blue mit weißen Rennstreifen und den berühmten
zwei roten Streifen auf dem vorderen Kotflügel. Dazu spendierte man dem
Sondermodell einen eigenen Satz 5-Speichen Alufelgen in schwarz auf
breiteren Reifen. Natürlich gab es auch wieder hier eigene Stickereien
für den Innenraum. Die Grand Sport hat sogar Ihre eigene VIN bekommen,
so kann man schnell Original von Fälschung unterscheiden.

Und weil 96 das letzte Modelljahr für die C4 war, gab es auch hier wieder eine Collectors Edition. Diese Sammleredition kam, wie das Vorbild aus dem 82er Modelljahr, in
Sebring Silber, mit silbernen 5-Speichen Rädern sowie speziellen
Emblemen innen und außen. Die Collectors Edition war nicht limitiert und
GM rechnete mit ca. 5000 Exemplaren. Rein äußerlich war die Collectors
Edition ein echter Sleeper, da die C4 in Ihrem Silber mit den silbernen
Alufelgen alles andere als auffällig aussah. Wer aber die Kreuzchen beim
LT4 und dem F45 Echtzeitfahrwerk gemacht hat bekam ein Auto, welches in
freier Wildbahn nur wenige Gegner kannte. Insgesamt entstanden davon
5412 Exemplare.
Technische Daten
Länge: 4480 mm
Breite: 1800 mm
Höhe: 1190 mm
Radstand: 2440 mm
Gewicht: 1469 kg
Motoren
Die Auswahl was die Motoren angeht ist bei der C4 deutlich
übersichtlicher geworden, da man hier nicht jedes Modelljahr irgendeine
Kleinigkeit an den Motoren verändert hat. Die C4 kam ausschließlich mit
Benzineinspritzung, Vergaser waren für GM in dem Segment endgültig
Geschichte! Für das erste Modelljahr hatte man schlicht den L83 Cross
Fire Injection Small Block von der 82er C3 übernommen.
Ein Jahr später hielt ein neuer Small Block mit der Bezeichnung L98
Einzug in die Corvette und ersetzte den alten L83 Motor. 1990 führte GM
die ZR1 ein und baute damit zum ersten Mal einen DOHC Motor in Serie in
eine Corvette.
Nur zwei Jahre kam der nächste große Paukenschlag. GM wagte sich eine
komplett neue Small Block Generation einzuführen. Ja, wirklich neu,
nicht nur der alte Block in aufgehübscht! Dieser Motor war der LT1. Mit
gut 300 PS in der Basis erfüllte er schon eher die Anforderungen der
Sportwagenfans nach Leistung.
Für das letzte Modelljahr baute GM den LT4 Motor welcher lediglich in
diesem einen Modelljahr verfügbar war und 330 PS leistete. Der LT4
dürfte einer der seltensten Small Blocks sein, da dieser nur dieses eine
Jahr und nur in der Corvette verfügbar war.
1984
L83 Small Block V8 Crossfire Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 205 PS @ 4300 u/min
Drehmoment: 393 NM @ 2800 u/min
Verdichtung: 9,0:1
1985
L98 Small Block V8 Tuned Port Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 230 PS @ 4000 u/min
Drehmoment: 447 NM @ 3200 u/min
Verdichtung: 9,5:1
1986
L98 Small Block V8 Tuned Port Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 230 PS @ 4000 u/min
Drehmoment: 447 NM @ 3200 u/min
Verdichtung: 9,5:1
1987
L98 Small Block V8 Tuned Port Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 240 PS @ 4000 u/min
Drehmoment: 468 NM @ 3200 u/min
Verdichtung: 9,5:1
1988
L98 Small Block V8 Tuned Port Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 240 PS @ 4000 u/min
Drehmoment: 454 NM @ 3200 u/min
Verdichtung: 9,5:1
L98 Small Block V8 Tuned Port Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 245 PS @ 4300 u/min
Drehmoment: 461 NM @ 3200 u/min
Verdichtung: 9,5:1
Besonderheiten: Mit Doppelauspuffanlage
1989
L98 Small Block V8 Tuned Port Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 240 PS @ 4000 u/min
Drehmoment: 454 NM @ 3200 u/min
Verdichtung: 9,5:1
L98 Small Block V8 Tuned Port Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 245 PS @ 4300 u/min
Drehmoment: 461 NM @ 3200 u/min
Verdichtung: 9,5:1
Besonderheiten: Mit Doppelauspuffanlage
1990
L98 Small Block V8 Tuned Port Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 245 PS @ 4300 u/min
Drehmoment: 461 NM @ 3200 u/min
Verdichtung: 9,5:1
LT5 DOHC V8
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 375 PS @ 5800 u/min
Drehmoment: 501 NM @ 5000 u/min
Verdichtung: 11,0:1
1991
L98 Small Block V8 Tuned Port Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 245 PS @ 4000 u/min
Drehmoment: 468 NM @ 3200 u/min
Verdichtung: 10,0:1
L98 Small Block V8 Tuned Port Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 250 PS @ 4400 u/min
Drehmoment: 474 NM @ 3200 u/min
Verdichtung: 10,0:1
Besonderheiten: Nur in Verbindung mit MT & 3.45:1 Achsübersetzung/AT & 3.07:1 Achsübersetzung
LT5 DOHC V8
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 375 PS @ 5800 u/min
Drehmoment: 502 NM @ 4800 u/min
Verdichtung: 11,0:1
1992
LT1 Small Block V8 Sequential Fuel Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 300 PS @ 5000 u/min
Drehmoment: 447 NM @ 4000 u/min
Verdichtung: 10,25:1
LT5 DOHC V8
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 375 PS @ 5800 u/min
Drehmoment: 502 NM @ 4800 u/min
Verdichtung: 11,0:1
1993
LT1 Small Block V8 Sequential Fuel Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 300 PS @ 5000 u/min
Drehmoment: 460 NM @ 3600 u/min
Verdichtung: 10,5:1
LT5 DOHC V8
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 405 PS @ 5800 u/min
Drehmoment: 522 NM @ 5200 u/min
Verdichtung: 11,0:1
1994
LT1 Small Block V8 Sequential Fuel Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 300 PS @ 5000 u/min
Drehmoment: 460 NM @ 3600 u/min
Verdichtung: 10,5:1
LT5 DOHC V8
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 405 PS @ 5800 u/min
Drehmoment: 522 NM @ 5200 u/min
Verdichtung: 11,0:1
1995
LT1 Small Block V8 Sequential Fuel Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 300 PS @ 5000 u/min
Drehmoment: 460 NM @ 4000 u/min
Verdichtung: 10,5:1
LT5 DOHC V8
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 405 PS @ 5800 u/min
Drehmoment: 522 NM @ 5200 u/min
Verdichtung: 11,0:1
1996
LT1 Small Block V8 Sequential Fuel Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 300 PS @ 5000 u/min
Drehmoment: 454 NM @ 4000 u/min
Verdichtung: 10,4:1
LT4 Small Block V8 Sequential Fuel Injection
Hubraum: 5733 cm³
Leistung: 330 PS @ 5800 u/min
Drehmoment: 460 NM @ 4500 u/min
Verdichtung: 10,8:1
Getriebe
Auch hier ist die Auswahl relativ eingeschränkt. Es gab im Laufe der
Jahre zwei Schaltgetriebe und ein Automatikgetriebe. Die
Handschaltgetriebe waren einmal das Doug Nash 4+3 und später das ZF
6S-40. Beide Getriebe sind für Ihre Haltbarkeit bekannt, wobei das ZF
Getriebe in Sachen Ersatzteilpreise noch deutlich über dem Doug Nash
liegt und auch die Verfügbarkeit selbiger nicht gerade rosig aussieht.
In Sachen Automatik setzte GM auf sein hauseigenes TH700R4, welches ab
94 elektronisch gesteuert wurde und deshalb den Namen 4L60E erhielt.
Technisch waren die Automaten aber immer sehr ähnlich.
Schaltgetriebe
Doug Nash 4+3
Das Doug Nash 4+3 ist ein faszinierendes Stück Technik! Eigentlich
ein 4-Gang Handschaltgetriebe welches auf dem Borg Warner Super T10
basiert, hat es einen zuschaltbaren Overdrive. Dieser ist in den ersten
Modelljahren mechanisch zuschaltbar, in späteren schaltet sich dieser
elektronisch hinzu. Der Overdrive wird über ein Planetengetriebe am Ende
des Getriebes realisiert. Der Overdrive kann nur in den obersten 3
Gängen zugeschaltet werden. Deshalb auch der Name 4+3. Der Overdrive
wird bei niedriger bzw. Teillast zugeschaltet. Damit der Overdrive der
Sportlichkeit nicht im Weg steht, wird der Overdrive unter Volllast
entkoppelt. Wer sich immer schon gefragt hat warum das Getriebe einen
Vor- und Nachnamen hat: Der Name Doug Nash kommt von dem Rennfahrer Doug
Nash welcher nach seiner Karriere als Rennfahrer und Hot-Rodder ins
Getriebe Business eingestiegen ist. Das Prinzip hat sich so zwar nicht
durchgesetzt, aber interessant ist es alle mal! Unter Fans ist das
Getriebe umstritten. Die einen beschweren sich das die Overdrive Einheit
zu Totalausfällen neigt, andere würden dem Teil Ihr Leben anvertrauen
solange der Service regelmäßig gemacht wird.
ZF 6S-40
Das ZF 6S-40 beerbte das Doug Nash Getriebe, da man hier auf den
Overdrive Mechanismus verzichten konnte. Durch die 6 Gänge konnte man
den 6. getrost als sehr lang übersetzen Overdrive Gang auslegen.
Gleichzeitig konnte man die restlichen Gänge etwas enger stufen im
Vergleich zum Doug Nash. Die Getriebe sind grundsätzlich sehr haltbar,
lediglich die Synchronisierung leidet unter "artgerechter Haltung".
Automatikgetriebe
GM TH700R4/4L60 bzw. 4L60E
Ich glaube zu den GM Automatikgetrieben muss man hier nicht mehr viele Worte verlieren. Die alten GM Automaten gehörten über Jahrzehnte zu den besten Automaten
der Welt. Die rein mechanischen TH700 haben den Ruf relativ haltbar zu
sein, bei den aktualisierten Modellen mit der elektronischen Steuerung
kann es zu Problemen beim Schalten vom 3. in den 4. Gang kommen.
Meistens ausgelöst durch harte Beanspruchung. Die Getriebe funktionieren
ansonsten sehr gut und für Leute die keine Fans von Powershifting sind
stellen die Automaten eine reelle Alternative dar.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die C4 einen großen Schritt für die
Corvette in Richtung moderne bedeutete. Nicht nur optisch, sondern auch
technisch ging es weiter in Richtung Zukunft. Einen Kurs den die
Nachfolgerin C5 fortsetzen sollte, aber dies ist etwas für den nächsten
Teil. Mit diesem Modell ebnete GM den Weg für fortschrittlichere Corvette
Modelle welche der internationalen Konkurrenz in Sachen Performance in
nichts nachstehen sollten!
Quelle: MotorBlogs - Dynamix Garage
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